Nach einer Affäre braucht es Gespräche.
Aber nicht jedes Gespräch sollte eine Diskussion sein.
Das ist vielleicht einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
Wenn Gedanken hochkommen, dürfen sie mitgeteilt werden. Sie sollten nicht weggedrückt werden. Denn was innerlich brodelt und keinen Raum bekommt, sucht sich meistens doch einen Weg. Oft dann unkontrolliert, scharf, anklagend oder verzweifelt.
Aber Mitteilen ist etwas anderes als Diskutieren.
Mitteilen heißt:
„Das ist gerade in mir los.“
Diskutieren heißt:
„Jetzt musst du mir beweisen, dass ich mich sicher fühlen kann.“
Mitteilen öffnet einen Raum.
Diskutieren sucht einen Ausgang über Kontrolle.
Mitteilen macht sichtbar.
Diskutieren will gewinnen, klären, absichern oder endgültig beruhigt werden.
Nach einem Seitensprung ist genau diese Unterscheidung enorm wertvoll.
Denn die verletzte Seite braucht einen Raum, in dem sie sagen kann:
„Dieser Gedanke ist gerade da.“
„Ich merke, dass ich Angst bekomme.“
„Mein Kopf verbindet gerade diese Situation mit der Affäre.“
„Ich weiß nicht, ob das rational ist, aber es ist gerade in mir.“
„Ich brauche gerade nicht sofort eine Erklärung, sondern erstmal, dass du verstehst, was in mir passiert.“
Und die andere Seite braucht die Fähigkeit, nicht sofort in Verteidigung zu gehen.
Nicht:
„Aber so war das doch gar nicht.“
„Das habe ich dir doch schon erklärt.“
„Wie oft sollen wir das noch besprechen?“
„Jetzt fang nicht schon wieder an.“
„Du musst mir irgendwann auch mal glauben.“
Sondern eher:
„Ich sehe, dass dieser Gedanke gerade Angst in dir auslöst.“
„Ich verstehe, dass dein System gerade Sicherheit sucht.“
„Ich kann nachvollziehen, dass sich das bedrohlich anfühlt.“
„Ich bin da.“
„Ich werde jetzt nicht diskutieren, aber ich nehme ernst, was in dir passiert.“
Das ist kein Freispruch.
Das ist Kontakt.
Und ohne Kontakt heilt nach einer Affäre wenig.