Auf der Oberfläche sieht es schnell eindeutig aus.
Ein Mann fühlt sich von anderen Frauen angezogen. Also scheint es um Sexualität zu gehen. Um Lust. Um Trieb. Um Abenteuer. Um Abwechslung. Um das Neue.
Und ja, all das kann eine Rolle spielen.
Natürlich gibt es sexuelles Begehren. Natürlich gibt es visuelle Reize. Natürlich gibt es Neugier, Fantasie, Körperlichkeit und die Sehnsucht nach erotischer Spannung.
Aber aus meiner Sicht wäre es oft viel zu kurz gegriffen, hier stehen zu bleiben.
Denn bei vielen Männern liegt unter dem sexuellen Reiz noch etwas Tieferes.
Nicht nur:
„Ich will diese Frau.“
Sondern:
„Ich will spüren, dass ich durch diese Frau etwas über mich selbst erfahre.“
Dass ich attraktiv bin.
Dass ich wichtig bin.
Dass ich eine Wirkung habe.
Dass ich gesehen werde.
Dass ich begehrenswert bin.
Dass ich männlich bin.
Dass ich nicht nur Ehemann, Vater, Versorger, Kollege, Funktionsträger oder Alltagsmensch bin.
Sondern ein Mann, der noch Resonanz auslöst.
Ein Mann, der noch lebt.
Ein Mann, der noch gemeint ist.
Und genau hier wird es spannend.
Denn dann ist die andere Frau nicht mehr nur eine andere Frau.
Sie wird innerlich zu einer Projektionsfläche.
Sie trägt dann plötzlich eine Bedeutung, die sie selbst vielleicht gar nicht kennt.
Ihr Blick entscheidet scheinbar über den eigenen Wert.
Ihr Lächeln entscheidet scheinbar über die eigene Attraktivität.
Ihr Interesse entscheidet scheinbar darüber, ob man sich als Mann bestätigt fühlt.
Und ihr Nicht-Interesse wird zur Enttäuschung.
Nicht, weil objektiv etwas passiert ist.
Sondern weil innerlich eine Erwartung, ein Bedürfnis oder ein alter Mangel aktiviert wurde.